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Nachhaltigkeit - ein vielseitiger Begriff

© Demokratiezentrum Wien

Mit dem Erstarken der Ökologie- und Grünbewegungen in den 1980er Jahren und der Durchsetzung der allgemeinen Erkenntnis, dass die Ressourcen auf unserer Erde nicht unendlich sind, erstarkte auch die Debatte um den Begriff der Nachhaltigkeit. In verschiedensten gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Debatten und Politikfeldern taucht das Adjektiv „nachhaltig“ seitdem auf. Nachhaltigkeit ökologisch verstanden bezieht sich meist auf den ressourcenschonenden Umgang mit dem Lebensraum Erde. Nachhaltigkeit in einem ökonomischen Sinne bezieht sich auf die effiziente Nutzung von begrenzten Ressourcen. Nachhaltigkeit kann aber auch sozial verstanden werden – hierbei rücken Begriffe wie Solidarität oder soziale Gerechtigkeit bzw. Generationengerechtigkeit in den Vordergrund. Darüber hinaus wird Nachhaltigkeit oft als Teil des demokratischen Wertekanons oder als handlungsleitendes Prinzip für soziale Gerechtigkeit bezeichnet. Der Begriff der Nachhaltigkeit hat sich in wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Diskursen in den letzten Jahrzehnten etabliert und hat sich auch in den Medien und dem allgemeinen Sprachgebrauch weitgehend durchgesetzt – häufig wird der Begriff aber verwendet, ohne ihn inhaltlich zu definieren oder einzugrenzen. An diesem Punkt setzen auch die Kritiken des Begriffs an: Nachhaltigkeit sei zu einem Modewort verkommen und inzwischen zu umfassend geworden. Für ein analytisches Konzept oder gar ein „handlungsleitendes Prinzip“ sei der Begriff zu breit.

Die Anfänge des Nachhaltigkeitsbegriffes
Etwa im Jahr 1713 verfasste Hans Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann im damaligen Königreich Sachsen, eine Abhandlung über wirtschaftlichen Waldbau. Die Förderung von Bodenschätzen war im damaligen Sachsen die Grundlage des wachsenden Wohlstands, war aber an eine ausreichende Verfügbarkeit von Brennholz, also an genügend Wald gebunden. Deshalb verfasste Carlowitz einen Text über „continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung“ (von Carlowitz/Hamberger 2013: 26) des Waldes als Grundlage dieses wichtigen Wirtschaftszweigs (Bauchmüller 2014: 3). Das Wort „nachhaltend“ wurde in dem Text wohl eher beiläufig verwendet und „erst durch retrospektive Konstruktion wurde aus der Formulierung die Geburtsstunde eines Fachbegriffs“ (Uekötter 2014: 10). Im Lauf der Zeit entwickelte sich Nachhaltigkeit vor allem in der Forstwirtschaft zu einem wichtigen Prinzip.

Im beginnenden 19. Jahrhundert gab es auch noch eine andere Bedeutung von „Nachhalt“, nämlich im Sinne von „Reserve für den Notfall“. Das bedeutete, dass nicht die forst- oder montanwirtschaftliche Nutzung des Waldes im Vordergrund stehen sollte, sondern ein möglichst vielfältiger Wald, in dem die Menschen im Notfall verschiedenste Tiere und Pflanzen vorfinden würden, um einige Zeit überleben zu können. Die Debatte darüber, in welcher Weise die vorhandenen Wälder vornehmlich genutzt werden sollen, wurde über Jahrzehnte weitergeführt. Letztlich setzte sich die Ansicht durch, dass der Wald kein öffentlich verfügbares Allgemeingut (im Sinne von Nachhalt), sondern möglichst effizient (nachhaltend) für die (Montan-) Wirtschaft eingesetzt werden sollte. Die wirtschaftliche Nutzung setzte sich also gegenüber dem öffentlichen „Gemeingut Wald“ durch (Uekötter 2014: 11). Gleichzeitig markierte der Beginn der planmäßigen, effizienten Waldnutzung zu wirtschaftlichen Zwecken auch den Beginn der Forstwissenschaft.

Dieser kurze historische Exkurs zeigt einige Aspekte des Nachhaltigkeitskonzepts auf, die bis heute wichtig sind: Erstens galt der ursprüngliche Gedanke der Wirtschaft (und nicht etwa der Ökologie), zweitens kam die Aufforderung zur nachhaltigen Nutzung „von oben“, von staatlicher Seite und drittens wurden technische Neuerungen und Lösungsansätze (Forstwissenschaft) als eine Not-wendigkeit für nachhaltiges Wirtschaften angesehen. Nachhaltige Ressourcennutzung zielte somit auf das Bewahren von Bekanntem und Bestehendem; natürliche, regenerative Ressourcen sollten nach wirtschaftlichen Bedürfnissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen umgestaltet und genützt werden. Nachhaltigkeit wird also von Beginn an vorwiegend als ressourcen-ökonomisches Prinzip verstanden (Pufé 2014: 16).

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